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Fahrzeuge der österreichischen Schmalspurbahnen
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1888-1918  |  1919-1945  |  1946-heute  |  Wagen
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Personen- und Güterwagen
Die Waggons der österreichischen Schmalspurbahnen sind erstaunlich einheitlich konstruiert. So gab es seit Anfang nur wenige Typen, diese aber in unterschiedlichsten Ausformungen und den Erfordernissen der jeweiligen Bahn angepasst.

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8-fenstrige Personenwagen
Diese Fahrzeuge waren die erste Type, die ab 1889 gebaut wurde. Wagen der dritte Klasse besaßen durchwegs acht Fenster, gemischtklassige oder Salonwagen auch sieben, auf der Steyrtalbahn bei kleinerer Kastenbreite zehn. Anfangs hatten sie meist eine Holzverkleidung, die später zu Gunsten einer Blechverkleidung aufgegeben wurde. Es existierten Varianten mit und ohne Oberlichten. Wegen ihrer zierlichen Bauweise, speziell im Fensterbereich, erwiesen sie sich für den rauen Alltagsbetrieb als zu filigran, was ab den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts zu Neubauten der Wagenkästen führte, die auf die alten Fahrwerke aufgesetzt wurden. Heute ist von diesen Wagen kein Exemplar mehr im Originalzustand betriebsfähig vorhanden.

Bild: SKGLB-Neubauwagen des Club 760 von 2013


Flachdachwagen
Flachdachwagen entstanden ab ca. 1925. Sie stellten Prototypen für die Erneuerung des Schmalspurfahrparks dar, da die anfangs eingesetzten achtfenstrigen Personenwagen ersetzt werden sollten. Zwölf Wagen wurden mit offenen Plattformen gebaut, vier Stück, die vorrangig auf der Mariazellerbahn verkehrten und deshalb den Spitznamen "Steirerwagerln" erhielten, mit geschlossenen Plattformen. Durch die große Anzahl von Türen bewährten sich diese Zweiachser jedoch nicht. Auch die Variante mit offenen Plattformen, die in Ausführungen mit und ohne Oberlichtenfenstern existierte, wurde zu Gunsten der Haubendachwagen nicht weiter gebaut.

Bild: Flachdachwagen C 256 der ÖGLB  

Haubendachwagen
Die ersten Haubendachwagen entstanden gleichzeitig mit den Flachdachwagen. Sie zeichneten sich durch eine klare Strukturierung und robuste Bauweise aus. Sie konnten sich mit ihrer einfachen Konstruktion durchsetzen und wurden über 100 Mal gebaut, wobei auch auf ältere Rahmen Neubaukästen aufgesetzt wurden. Die Wagen besaßen bei den BBÖ, deren Fahrzeuge nach dem 2. Weltkrieg auf die ÖBB übergingen, Oberlichten, bei den StLB und der SKGLB nicht. Heute ist noch eine relativ große Anzahl dieser Fahrzeuge vorhanden, sie verkehren meist auf Museumsbahnen. Einige Exemplare wurden zu Barwagen umgebaut.

Bild: Haubendachwagen des Club 760, links Bi 38, ex SKGLB, ohne und rechts Bi 37, ex ÖBB, mit Oberlichten


Tonnendachwagen
Die Tonnendachwagen stellen die letzte Zweiachservariante dar, die ab den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts gebaut wurde. Der Großteil entstand jedoch in den 50er- und 60er-Jahren als Umbauten aus älteren Wagen. Meist hatten sie Ganzfenster, die ÖBB-Wagen auch Halbfenster. Sie fuhren auf allen Bahnen, meist in Kombination mit vierachsigen Tonnendach- oder Pinzgauerwagen, aber auch stilreine Zweiachserzüge kamen vor, vor allem im Waldviertel, der Feistritztalbahn und auf der Steyrtalbahn. Die Type überlebte bis ca. 1990 im Planverkehr und bildet heute den Grundstock des Wagenmaterials für viele Nostalgieveranstalter.

Bild: Tonnendachwagen Bi 35 der Steiermärkischen Landesbahnen

Vierachsige Wagen
Die Bauformen für Vierachser sind ab 1912 erstaunlich einheitlich, die Wagen haben fast ausschließlich 7 Seitenfenster. Davor gab es auch, ähnlich den achtfenstrigen Personenwagen, Exemplare mit 12 bis 14 Seitenfenstern. Bei den ÖBB gab es Varianten mit erster und zweiter Klasse und mit Dienstabteil. Meist hatten sie Ganzfenster und gerade Türen, die ÖBB-Wagen, die in den 50er und 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts mit Spantenaufbauten versehen wurden, später ausschließlich Halbfenster und schräge Türen. Ein Großteil dieser Wagen existiert noch heute und wird auf vielen österreichischen Schmalspurbahnen und auf einigen Strecken im benachbarten Ausland im Nostalgieverkehr eingesetzt.

Bild: Spanten-Vierachser der Mariazellerbahn in drei verschiedenen Farbgebungen 

Pinzgauer Wagen
Geliefert 1937 bis 1940 stellten sie eine Erneuerung des Schmalspurwagenparks dar. Einige Exemplare wurden  Bisselfahrgestellen geliefert, wobei die äußeren Achsen radial einstellbar und die inneren Achsen fix gelagert waren. Ein ähnliches Fahrwerk besitzen die Lokomotiven der Reihe 2091. Diese Fahrwerke bewährten sich jedoch nicht und wurden durch Drehgestelle ersetzt. Die Wagen bestechen durch einen recht ruhigen Lauf und ihre Stromlinienform. Noch heute existiert der Großteil der als B- und BD-Wagen gebauten Fahrzeuge, im Planbetrieb stehen sie jedoch nur mehr auf der
SLB Pinzgauer Lokalbahn.

Bild: Pinzgauer Wagen in drei verschiedenen Farbgebungen gemeinsam mit einem Spanten-Vierachser auf der Ybbstalbahn

Neubauwagen der 1980er-Jahre
Gleichzeitig mit den Anfang der Achtzigerjahre des vorigen Jahrhunderts gelieferten Neubautriebwagen beschafften die Zillertalbahn und die Steiermärkischen Landesbahnen auch kompatible Personenwagen. Bei der Zillertalbahn existieren neben Steuerwagen weitere Fahrzeuge 2.Klasse, teilweise mit Dienstabteil, die auch in lokomotivbespannten Zügen eingesetzt werden können, während die StLB Steuerwagen und einen Postwagen beschaffte. Alle Fahrzeuge außer dem Postwagen der Murtalbahn, der heute mangels Verwendungsmöglichkeit abgestellt ist, bildeten bis weit ins 21. Jahrhundert das Rückgrat des Personenverkehrs auf ihren Strecken.

Bild: B- und BD-Wagen der Zillertalbahn im Einsatz im Planverkehr hinter der Diesellokomotive D 10

Niederflurfahrzeuge
Ab 2007 beschaffte die Zillertalbahn Wendezugwagen, die allen Anforderungen für einen modernen Personennahverkehr gerecht werden: Sie sind als Niederflurfahrzeuge konzipiert und verfügen über eine Klimaanlage und breite Doppeltüren. Die als Steuerwagen mit bzw. Mittelwagen ausgeführten Wagen können mit Diesellokomotiven der neuesten Bauart oder Dieseltriebwagen aus den 80er-Jahren bespannt werden. Auch die ÖBB und deren Nachfolger SLB beschafften gleichartige Fahrzeuge für die Pinzgaubahn. Einer ähnlichen Konzeption folgen die 2014 gelieferten Panoramawagen für die Mariazellerbahn, sie besitzen aufgrund ihres differierenden Einsatzes als Komfortwagen jedoch nur eine schmälere Tür pro Wagenseite.

Bild: Steuer- und Mittelwagen der Zillertalbahn

Dienst- und Postwagen
Post- und Dienstwagen entstanden häufig aus gedeckten Güterwagen, bei den ÖBB und StLB gab es einheitliche Spantenbauarten von jeweils wenigen Stück. Einige vierachsige Spanten- und Pinzgauerwagen besitzen Dienstabteile. Heute sind diese Fahrzeuge vor allem im Nostalgiezugverkehr anzutreffen, bieten sie doch wertvollen Stauraum für Fahrräder und Lagerraum für Getränke für die in diesen Zügen mitgeführten Buffetwagen. Der Postverkehr kam schon in den 90er-Jahren des vorigen Jahrhunderts komplett zum Erliegen, sodass die für diesen Zweck vorgehaltenen Wagen nun, durchwegs auf Museumsbahnen, ebenfalls als Dienstwagen zum Einsatz kommen.

Bild: Ehemaliger ÖBB-Spantendienstwagen


kkStB-Güterwagen
Ziemlich ähnliche Bauformen prägten die ersten Schmalspurgüterwagen. Sie existierten als Flach-, Mittel- und Hochbord- sowie als gedeckte Wagen mit keiner, einer oder zwei Plattformen. Auch die Vierachser waren sehr ähnlich aufgebaut.
Auf manchen Schmalspurbahnen wurden eigene Güterzüge gebildet, meist erfolgte ihr Einsatz jedoch hinter 2-3 Personen- und einem Dienstwagen als GmP (Güterzug mit Personenbeförderung). Heute stehen diese Fahrzeuge nicht mehr im Planverkehr, auf praktisch allen Schmalspurbahnen sind jedoch noch Exemplare vorhanden, die als Bauzugfahrzeuge dienen oder in Nostalgiezügen zusätzlichen Stauraum anbieten. Die meisten 8-fenstrigen Neubaupersonenwagen wurden auf ihren Fahrgestellen aufgebaut.

Bild: Gedeckter Güterwagen auf der Gurkthal-Museumsbahn

DRB-Güterwagen
Diese ursprünglich für 750mm Spurweite gebauten Fahrzeuge waren einheitlich konstruiert, durchwegs vierachsig und als Flach-, Hochbord- oder gedeckte Güterwagen im Einsatz Sie prägten Jahrzehnte lang das Bild der Schmalspurgüterzüge, in den 90er-Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde ein Großteil der gedeckten Wagen zu Fahrradwagen in blauer Farbgebung umgebaut und in Personenzügen verwendet. Sie stehen heute nicht mehr im Planverkehr, sind aber in Touristikzügen auf der Mariazellerbahn und der Pinzgauer Lokalbahn weiterhin als Fahrradwagen im Einsatz. Auf der Ybbstalbahn bestand der bis 2009 geführte Güterzug aus zu Rungenwagen umgebauten Fahrzeugen.

Bild: Fahrradwagen in blauer Farbgebung auf der Pinzgauer Lokalbahn


Spezialwagen
Ab den 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde der bis dahin aus Mehrzweckwagen bestehende Güterwagenpark durch Spezialwagen ergänzt, um die an den Strecken liegenden Frachtkunden individuelle Logistikmöglichkeiten zu bieten. Diese Fahrzeuge wurden hauptsächlich von den Steiermärkischen Landesbahnen beschafft, da es auf deren Strecken keinen Rollwagenverkehr gab. So existieren Trichter-, Säuretopf- und Kesselwagen sowie moderne offene und geschlossene Güterwagen. Auch bei anderen Bahnverwaltungen setzte man Schotterwagen, die aus überzähligen drei- oder vierachsigen Güterwagen umgebaut wurden oder Schneepflüge, die auf Dampflokomotivrahmen aufgesetzt wurden, ein.

Bild: Trichterwagen Tm und Staubkesselwagen Usm der StLB für die Feistritztalbahn


Rollfahrzeuge
Als erste Bahn beschaffte die Stainzer Lokalbahn 1892 Rollböcke zum Transport normalspuriger Fahrzeuge. Es folgten die Mariazellerbahn, die Grestner Linie und die Waldviertelbahnen. Rollböcke können ausschließlich zweiachsige Wagen befördern und sind ungebremst. Diese Nachteile wurde durch die Entwicklung von Rollwagen beseitigt, die anfangs auf der Industriebahn Schwanberg–Kalkgrub, später auch bei der Pinzgaubahn, der Zillertalbahn und der Materialbahn Tschagguns–Partenen im Einsatz standen. Die Waldviertelbahn stellte 1943 auf Rollwagen um, die Mariazellerbahn und die Grestner Linie erst Ende des vorigen Jahrhunderts. Heute wird diese Form des Transports nur mehr auf der Zillertalbahn und der SLB Pinzgauer Lokalbahn durchgeführt.

Bild: Sechsachsiger Rollwagen, beladen mit einem Güterwagen Gs

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