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Strecken in der Tschechischen Republik
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Ondrášov–Moravský Beroun–Dvorce
1898 wurde die 11 km lange Strecke von Bärn-Andersdorf (Ondrášov)nach Hof (Dvorce) eröffnet. Es verkehrten die Maschinen U.12, die vor der Eröffnung der Bahnlinie auf der Ybbstalbahn in Österreich verkehrte und unter der Nummer U37.002 noch heute betriebsfähig auf der JHMD erhalten ist, und U.16. Im ersten Weltkrieg wurde die U.16 requiriert und durch die zweiachsige A.001, nach 1925 als U25.001 bezeichnet, ersetzt.
Die Einstellung der Strecke erfolgte 1933, die Abtragung 1937. Das Rollmaterial wurde auf die Strecke Třemešná ve Slezsku–Osoblaha überführt, heute sind noch mehrere Brücken, Bahnhofsgebäude und in Dvorce ein Teil des Heizhauses erhalten.

Pionierbahn Plzeň (Pilsen)
Die Pilsner Pionierbahn wurde 1959 vom Zoo, wo sich auch das Depot befand, zur Lochotínská eröffnet und hatte eine Länge von 1,5 km. Vorerst waren eine Lokomotive Typ BNE 50 und Wagen aus Jindrichův Hradec vorhanden, 1960 wurde die Strecke elektrifiziert und ein vierteiliger Gelenktriebwagen eingesetzt. Nach weiteren Verlängerungen in den Jahren 1966 und 1967 wurden an den Endpunkten Schleifen errichtet. Durch Probleme mit der Stromversorgung wurde zeitweise auch die Diesellokomotive T 29.014 mit einem Balm/u eingesetzt. Die Erhaltung der Bahn wurde immer problematischer, sodass 1976 die Einstellung erfolgte.

Bild: Die Diesellokomotive T29.014 verkehrte mit einem Personenwagen der Type Balm/u (im Hintergrund) auf der Pionierbahn in Plzeň. Das Bild zeigt sie auf der JHMD im Planeinsatz. (Foto vom 21.7.2002)

Vergnügungsbahn Milovice
Im Park Mirakulum in Milovice nad Labem nordöstlich von Prag wurde 2014 eine 2 km lange Vergnügungsbahn angelegt, auf der neben zwei Diesellokomotiven der Type DH 120 die 100.15, die von der Industriebahn Donawitz stammt und nunmehr als Nr. 1 bezeichnet wird, vor aus DRB-Güterwagen umgebauten Personenwagen sowie dem grün lackierten ehemaligen Mariazellerbahn-Spantenvierachser B4iph/s 3144 verkehrt.

Bild: 100.15 stand vor ihrer betriebsfähigen Aufarbeitung als Schaustück am Bahnhof Heidenreichstein abgestellt (Foto vom 20.11.2010)


Wald- und Industriebahnen

Industriebahn Králův Dvůr–Beroun–Koněprusy:
Die 1898 eröffnete, 10,5 km lange Industriebahn Králův Dvůr–Beroun–Koněprusy (KBK) diente dem Transport von Kalkstein zum Zementwerk in Králův Dvůr. Der kleinste Kurvenradius betrug 60m und die höchste Steigung 30‰. Anfangs standen die zwei Lokomotiven "Tatan" und "Koněprusy" der Reihe U im Einsatz, die über 100 Wagen stammten von Ringhoffer in Prag. Für den Einsatz auf der neu errichteten 400 m langen Stichstrecke zum Steinbruch Damil wurde 1908 eine dritte Maschine der Reihe U gleichen Namens beschafft. Die drei Lokomotiven erhielten 1925 die Nummern U37.901-903, ab 1939 kamen auch Lokomotiven anderer Reihen, die Meyer U99.554 und zwei ČKD-Maschinen der Type D 760/90 sowie Diesellokomotiven auf die Strecke, 1942 wurde ein 246 m langer Tunnel zum Steinbruch gebaut. Da die Bahn den zunehmenden LKW-Verkehr behinderte, erfolgte im Jahr 1962 die Einstellung.

Industriebahn des Stahlwerks Králův Dvůr: Das ebenfalls in Králův Dvůr ansässige Stahlwerk betrieb eine Werksbahn mit Spurweite 760mm, auf der die heute auf der Museumsbahn Nitra in der Slowakei eingesetzte U25.001 als Nr. 13 im Einsatz stand.

Waldbahn Arnoštov: Die 11 km lange Strecke Spálenec–Arnoštov– Zláta/Přikopy wurde 1917 eröffnet. An sie schlossen zwei Zubringerstrecken mit 600 mm Spurweite nach Černého potoka (Schwarzbach) und potoka Puchrovka (Pucherbach) an. Der Betrieb erfolgte mit den drei Dampflokomotiven "Wilma", "Ludwig" mit je 50 PS und "Liesel" (30 PS). Die Einstellung erfolgte 1964.

Bild: Die U25.001, 1951 bei ČKD in Prag gebaut, fuhr auf der Industriebahn des Stahlwerks Králův Dvůr. Sie befindet sich heute in betriebsfähigem Zustand auf der Museumsbahn Nitra in der Slowakei. Das Foto vom 6.7.2008 entstand jedoch auf der Schwarzgranbahn in Čierny Balog.

Waldbahnen in den Žďárské vrchy: In Borky befand sich der Ausgangspunkt der 1931 erbauten, ca. 20 km langen Waldeisenbahn nach Cikháj. Weiters existierten die Strecken Najdek–Račín, die nahe Dolní Hamry ihren Ausgang nahm und 29 km lang war,  und Lány–Herálec. Zwischen Borky und Cikháj fuhren zwei Dampflokomotiven, die O&K 6030 und Krauss 5196, die Bruchholz nach einem Schneebruch zu Sägewerken zur Verarbeitung oder zu Straßen zur Verladung brachten, auf der Linie Najdek–Račín verkehrte die Montania-Diesellokomotive 226. 1935 waren die Arbeiten beendet und die Strecken wurden abgebaut.

Industriebahn der Zuckerfabrik Vlkava: Diese Industriebahn wurde 1899 zwischen der Zuckerfabrik Vlkava, Oskořínek und Mečíř mit einer Abzweigestation in Jizbice-Filkovna eröffnet. Die Gesamtlänge der Strecke betrug ca. 20 km. Sie diente dem Transport von Zuckerrüben von den umliegenden Feldern zum Werk. Die Bahn wurde 1957 eingestellt, die Trasse ist heute ein Radweg.

Industriebahn der Sodafabrik Hrušov: Nahe der 760mm-Straßenbahnlinie aus Richtung Ostrava befand sich die in gleicher Spurweite erbaute Industriebahn der Sodafabrik Hrušov. Hier verkehrten zwei Dampflokomotiven, ein B-Kuppler von Maffei mit dem Namen "Heinrich" und ein C-Kuppler von Krauss/Linz mit dem Namen "Vinzenz".

Industriebahn der Zuckerfabrik Kopidlno: 1922 wurde der erste Abschnitt der Industriebahn der Zuckerfabrik Kopidlno auf einer Länge von 15 km zwischen Kopidlno und Slavhostice mit einer 2,5 km langen Zweigstrecke nach Běchary eröffnet, als der Transport der Zuckerrüben zum Werk mit Pferdewagen nicht mehr wirtschaftlich war. Die Höchstgeschwindigkeit war vorerst auf 15 km/h begrenzt, wurde jedoch später auf 25 km/h erhöht. Der kleinste Bogenhalbmesser betrug nur 45m. 1923 wurde die Strecke nach Češov verlängert, womit die Gesamtlänge auf 21 km stieg. 1927 wurde nach einem weiteren Ausbau Žlunice erreicht, womit das Netz seine größte Ausdehnung erreichte und die längste Industriebahn in der heutigen Tschechischen Republik war. Vorerst standen zwei Dampflokomotiven zur Verfügung, 1925 erfolgte der Ankauf zweier weiterer Maschinen, die zur Traktion der über 100 Wagen im Einsatz standen. In den 50er-Jahren verstärkte sich die Autokonkurrenz, was schließlich 1959 zur Einstellung der Bahn führte. Die Zuckerfabrik schloss im Jahr 1984. 

Militärbahn Pardubice: Die Militärbahn Pardubice wurde ab 1923 vom 1. Eisenbahnregiment der tschechoslowakischen Armee in Spurweite 600 mm errichtet. Ab 1929 erfolgte die schrittweise Umspurung auf 760 mm. Die Bahn verband die Kaserne mit den Lagerhäusern und dem Trainingsgelände.Sie diente dem Materialtransport und für Übungszwecke, wie dem Auf- und Abbau von Feldbahnen, der Errichtung von Brücken und den effizienten Transport der Ausrüstung des Eisenbahnregiments. Zum Einsatz kamen hauptsächlich O&K-Loks sowie die U47.004 von Henschel und U48.001 von SLM. Ende der 40er-Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde die Strecke nach und nach stillgelegt.

Bild: Auf der Militärbahn Pardubice stand die Mallet-Lokomotive U47.004 im Einsatz. Das Bild zeigt ihre Schwestermaschine, die U47.001 der
JHMD, beim Verschub in Alt Nagelberg. (Foto vom 3.10.92)

Industriebahn der Papierfabrik Větřní: Die Papierfabrik Větřní erzeugte seit 1867 Papier aus Sägemehl. Da die Transportverbindung mit Pferdefuhrwerken zum Bahnhof Velešín nicht befriedigte, wurde 1896 eine eigene Schleppbahn gebaut, im Werk entstand eine elektrische Schmalspurbahn mit Spurweite 760mm, auf der kleine Lokomotiven offene Wagen beförderten. Ab 1919 ist der Einsatz von O&K-Benzinlokomotiven bekannt. 1941 wurde der Betrieb mit jenem in Steyrermühl in Österreich fusioniert, der eine Industriebahn mit gleicher Spurweite besaß. Ob Fahrzeuge der beiden Standorte ausgetauscht wurden, ist jedoch nicht bekannt. 1963 wurde die Werksbahn eingestellt, die Papierfabrik existiert noch heute.

Grubenbahnen in Souš u Mostu und Svatava: Die Gruben in Souš u Mostu wurden ab 1871 ausgebeutet, wozu man sich bald des damals modernsten Verkehrsmittels, der Eisenbahn bediente. In jedem Schacht verkehrten bald Industriebahnen in unterschiedlichsten Spurweiten zwischen 480 und 900 mm. 760mm-spurige Strecken existierten im Schacht Mathilda, wo sich auch eine 480mm-Bahn befand, sowie im Schacht Anna, wo die Transportaufgaben auch mit zwei 600mm-Strecken erfüllt wurden. In Svatava verkehrten 760mm-Züge in den Gruben Mariahilf und Mathias neben 600mm-spurigen Bahnen.

Industriebahnen im Wasserbau: Die größten Flüsse Tschechiens, die Elbe und die Moldau, erfordern immer wieder umfangreiche Bauarbeiten zu deren Instandhaltung. Insbesonders bei der Regulierung der Elbe Anfang des 20. Jahrhunderts kamen auch Schmalspurbahnen mit Spurweite 760 mm zum Einsatz: Es waren dies die Strecken in Hradec Králové, Hrobice und Jiřice sowie in Vaňov zum Bau eines Kraftwerks. Zur Eintiefung der Moldau im Raum Prag wurde ebenfalls eine 760mm-Strecke in Štěchovice errichtet.
 


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